„Entfalten statt liften“ – Interviews mit 60 bis 80-jährigen zur Gestaltung ihrer „idealen“ Lernangeboten

Endlich halte ich das Buch „Entfalten statt liften“ von der Erwachsenbildnerin mit Schwerpunkt Geragogik Kim de Groote in Händen. Es soll einen ersten „qualitativ“ empirischen Einblick in die Gestaltung von Lernangeboten für Senioren (60 bis 80-jährige) geben. Hier speziell für musisch-kreativ-gestalterische Lernangebote wie Theater, Musik, Malen.

Nach den ersten Seiten des Buches steht schon einmal fest: „Lernen im Alter ist grundsätzlich möglich!“ (S. 45) Und es „steigert das physische und psychische Wohlbefinden, fördert die soziale Integration, stärkt die Kompetenz und Selbstorganisation () und hift ein positives gesellschaftliches Altersbild zu entwickeln“ (S. 49).

„Grundsätzlich“ heißt natürlich, dass es so einige Besonderheiten beim Lernen mit Älteren gibt, die es bei der Gestaltung von Lernangeboten für die breite Zielgruppe zu berücksichtigen gilt. Die einschränkenden und förderlichen Faktoren stellt de Groote in der folgenden Tabelle (S. 45) gegenüber:

Vergleich förderliche und hemmende Faktoren des Lernens de Groote S. 45

Die Besonderheiten – insbesondere die einschränkenden Faktoren, die in der Tabelle vergleichend gegenübergestellt werden – sind nicht überzubewerten. Sie werden erst im sehr hohen Alter (pi mal Daumen Ü80) deutlich spürbar (S. 47).
Dennoch empfiehlt de Groote schon bei der Gestaltung von Lernangeboten einige Aspekte zu beachten (S. 46-48), die teilweise aber auch generell bei der Konzeption von Lernangeboten gelten:

  • Lerntempo verlangsamen (nicht so viele Inhalte auf einmal, Unterbrechungen mit Übungen und Pausen einplanen)
  • Aktivierung durch Übungen
  • Wiederholungen einfließen lassen
  • Bezüge zu Altbekannten herstellen (so plastisch wie möglich: das Wiedererkennen geht im Alter besser als das Wiedererinnern)
  • Tipps und Tricks für das Lernen und fürs Merken mit einfließen lassen
  • Fehlertoleranz, Vorurteile, mögliche Lern-Ängste von Älteren aktiv ansprechen
  • Gesundheitsförderliche Inhalte mit einbinden, mögliche Krankheitsphasen der Lernende auffangen
  • Motivation der Lernenden berücksichtigen (seltener instrumenteller Art, also nicht auf „Zertifikate erwerben“ aus)

Ob nun die Lernangebote in „altershomogenen“ oder „altersheterogenen“ Zielgruppen konzipiert werden – so de Groote – muss man abwägen (S. 50f). Der Austausch unter verschiedenen Altersgruppen kann gewinnbringend sein. Ein unterschiedliches Lerntempo oder ein Bezug auf Erfahrungen, die Teile der Lerngruppe nicht gemacht haben, stellt den Dozenten und Lernende gleichermaßen vor eine Herausforderung.

Weitere Erkenntnisse aus dem Buch fasse ich in den nächsten Tagen hier zusammen: Fortsetzung folgt…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s