Lernen im Alter – Neues und komplexes hält Gedächtnis auf Trab

Wie bleibt man im Alter geistig fit? Es schadet zumindest nicht, dass Gedächtnis beständig mit neuen Informationen zu füttern. So weit, so bekannt. Doch welche Aktivitäten helfen der Erinnerung wirklich auf die Sprünge? Das haben amerikanische Forscher um die Neurowissenschaftlerin Denise Park von der University of Texas in Dallas nun untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht alle Tätigkeiten gleich wirkungsvoll sind. Wer sich über längere Zeit intellektuellen Herausforderungen stellte, zeigte in der Regel deutlich bessere Gedächtnisleistungen als jemand, der regelmäßig Kreuzworträtsel löste oder Fernsehdokumentationen verfolgte.

Im Alter geistig aktiv zu bleiben, reiche nicht, meint Hauptautorin Denise Park. Die Altersforscherin sagt: „Entscheidend ist es, aktiv zu sein und sich dabei neuen mentalen Herausforderungen zu stellen, sich neuen Reizen auszusetzen.“ Wer innerhalb der eigenen Komfortzone verharre, seine eigenen Grenzen also nicht austeste, bleibe womöglich außerhalb der Verbesserungszone.

Um die Auswirkungen verschiedener Formen der Freizeitgestaltung zu testen, entschieden sich Park und ihr Team für ein aufwendiges Studiendesign. Anders als andere Forscher reichte es den Wissenschaftlern aus Texas nicht, die mentale Leistungsfähigkeit von Senioren zu testen, deren Hobbys zu erfragen und beides im Nachhinein miteinander in Verbindung zu setzen. Park und ihre Kollegen wollten einen direkten Einfluss messen. Deshalb rekrutierten sie 221 Erwachsene zwischen 60 und 90 Jahren und teilten ihnen nach dem Zufallsprinzip eine Freizeitgestaltung zu. Diese Tätigkeiten sollten die Senioren über drei Monate hinweg jeweils 15 Stunden pro Woche ausüben. Vor und nach den drei Monaten wurde die Gedächtnisleistung getestet.

Drei der sechs Versuchsgruppen beschäftigten sich mit intellektuell anspruchsvollen Dingen, bei denen neues Wissen erworben und angewendet werden musste. Die Probanden widmeten sich der Digitalfotografie und passender Bildbearbeitungssoftware am Rechner, oder sie fertigten Steppdecken mit computergesteuerten Nähmaschinen an. Eine dritte Fraktion wendete jeweils gleich viel Zeit für Nähen und für Fotografie auf. Um die Tätigkeiten erfolgreich zu meistern, mussten die Versuchspersonen eine Reihe von Informationen im Langzeitgedächtnis abspeichern – und das unter Alltagsbedingungen, nicht im Labor.

Andere Probanden sollten regelmäßig klassische Musik hören, leichte Kreuzworträtsel lösen und Fernsehdokumentationen verfolgen, kurz: sich weiterbilden – allerdings auf eher passive Art. Eine fünfte Gruppe von Versuchspersonen traf sich regelmäßig und unternahm zum Beispiel Ausflüge. So sollte der Nutzen des sozialen Miteinanders gestestet werden. Eine Kontrollgruppe nahm ausschließlich an den Gedächtnistests teil, wurde ansonsten aber nicht gefördert.

Nach drei Monaten verglichen Park und ihr Team die sechs Gruppen miteinander. Es zeigte sich: Wer sich in die digitale Fotografie, das computergestützte Nähen oder beides hineingefuchst hatte, hatte auch seine Gedächtnisleistung verbessert. Stärker schnitten diese Teilnehmer vor allem in Tests ab, die das Potenzial des episodischen Gedächtnisses maßen. Damit sind die persönlichen Erinnerungen im Langzeitgedächtnis gemeint.

Solche Erfolge konnten die anderen Probanden kaum aufweisen. Sollte nun jeder Senior eine Digitalkamera in die Hand nehmen? Nicht unbedingt. Entscheidend ist nach Ansicht der Forscher, dass ein Hobby mit neuen mentalen Herausforderungen verbunden ist.

Im Gespräch mit amerikanischen Medien zeigte sich Park überrascht, dass die sozial vernetzte Gruppe ihr Erinnerungsvermögen nicht verbesserte. Schließlich sei es geistig herausfordernd, mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Wahrscheinlich würden größer angelegte Untersuchungen mit höheren Teilnehmerzahlen hier durchaus einen moderaten Effekt finden.

Was waren die Ursachen für die verbesserte Gedächtnisleistung der Probanden mit den schwierigen neuen Hobbys? Park kann sich mehrere Erklärungen vorstellen. So könnte die Beschäftigung mit neuen Herausforderungen die Aufmerksamkeit dieser Versuchspersonen positiv beeinflusst haben. Das könnte es ihnen erleichtert haben, Worte bei Gedächtnistests wahrzunehmen, zu lernen und wieder abzurufen. Alternativ sei es denkbar, dass neue Nervenverbindungen in Hirnregionen etabliert wurden, die mit der Speicherung und dem Abruf von Informationen in Zusammenhang stehen, etwa dem Hippocampus.

Zitiert nach:
http://www.psychologie-heute.de/news/gesundheit-psyche/detailansicht/news/neues_zu_lernen_hilft_mental_in_form_zu_bleiben/?&type=27072012

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s